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Aufruf vom 4. November 2006

Recht und Gerechtigkeit für Palästina und Israel: Dürfen wir noch länger schweigen?
Zu unserer Tagung vom 3. bis 5. November 2006

Es gab bei dieser Tagung vom 3. bis 5. November 2006 auf der Hegge lebhafte Vorträge und engagierte Debatten. Alle Vortragenden und über 60 Teilnehmer wurden sich einig in der klaren Verpflichtung: Frieden in Israel ist abhängig vom Frieden in dem noch nicht existierenden zweiten Staat Palästina. Wohlergehen der Gesellschaft Israel wird in der Zukunft abhängig sein vom Wohlergehen einer palästinensischen Gesellschaft.

Der Leiter der Informationsabteilung in der Generaldelegation Palästinas, Mohammed Nazzal, war sich darin mit dem Historiker und Mitverantwortlichen für das Versöhnungsprojekt Neve Shalom in Israel, Dr. Reuven Moskovitz, Dr. Rupert Neudeck von den „Grünhelmen“ und mit dem Theologen Prof. Dr.Dr. Manfred Görg, dem Gründer der Gesellschaft der „Freunde Abrahams“, einig: Die Sicherheit Israels hängt von der Sicherheit des Gemeinwesens Palästina ab. Der Staat Israel wird sein Sicherheitsbedürfnis nicht allein durch eine schärfere Militärpolitik und immer größere hochtechnologisch-militärische Aufrüstung bewältigen, sondern flankierend durch eine Politik der Nachbarschaft zu den Palästinensern.

Damit diese wertvollen Erkenntnisse nicht Makulatur, Theorie und schöner Schein bleiben, haben die Teilnehmer ein Projekt begonnen, das in der Entsendung von Hunderten von jungen (jungen-alten) Bauhandwerkern nach Israel / Palästina bestehen wird. Es sollen dabei die durch die Militärschläge der letzten Jahre zerstörten Gebiete und Dörfer auf dem Gaza-Streifen und evtl. auch der Westbank wieder aufgebaut werden. Das Projekt braucht Geld und freiwillige Mitarbeiter.

Jeder kann jetzt beginnen, Geld kann auf ein Konto der Grünhelme überwiesen werden, die stellvertretend auch für andere Organisationen und Initiativen dieses Projekt unter ihre Fittiche nehmen. Junge Bauhandwerker melden sich bei den „Grünhelmen“. Von vornherein werden die Friedens-Oase Neve Shalom und Dr. Reuven Moskovitz unsere Partner in Israel und Palästina sein. Alle Menschen guten Willens in Deutschland und Israel und Palästina sind aufgefordert mit teilzunehmen. Niemand ist ausgeschlossen, es sei denn, er schließt sich selbst aus.

www.gruenhelme.de
Konto: Deutsche Bank München,
BLZ: 700 700 24, Kto.Nr.: 200 000 8

DIE HEGGE wie auch die Gesellschaft der “Freunde Abrahams” unterstützen diese Initiative, deren konkrete Umsetzung von den „Grünhelmen“ übernommen worden ist und empfehlen ihren Freundinnen und Freunden, ebenso dieses Projekt nach je eigenen Möglichkeiten zu fördern. Einen Flyer zur weiteren Werbung finden Sie hier.

Rupert Neudeck macht auf eine mächtige Friedensdemonstration aufmerksam, die am gleichen Tag in Tel Aviv stattfand:

„Es gab parallel zu unserer Versammlung am 4.11.2006 einen Beleg dafür, dass wir bei dieser Konferenz und alle Freunde von Frieden, Freiheit und Versöhnung im Nahen Osten nicht so ganz falsch liegen mit dieser Stellungnahme. Am gleichen Tag, da wir auf der HEGGE zusammensaßen (einem Akademie-Ort gleichsam am Ende der Welt, noch hinter Paderborn!), hat sich die Friedensbewegung in Israel einmal wieder formiert.

Der 4. November 1995 war der Tag, an dem der Hoffnungsträger von Israel, Itzchak Rabin, ermordet wurde. Mehr als 100.000 Israelis versammelten sich 11 Jahre danach in Tel Aviv zum Gedenken an den damaligen Premier, von dem eine neue Epoche in der Geschichte Israels und Palästinas auszugehen schien.

Der Schriftsteller David Grossmann, der seinen eigenen Sohn bei den Kämpfen im Libanonkrieg verloren hat, richtete seine Ansprache an die Offiziellen in Regierung und Staat Israels. Der Krieg im Sommer habe die ‚militärischen Muskeln’ vorgeführt, aber dahinter würden sich Schwäche und Unzulänglichkeiten verbergen’.

‚Letzten Endes wurde klar’, so Grossmann, ‚ dass Militärmacht allein unser Überleben nicht garantieren kann’. Nicht nur der Tod junger Soldaten sei eine ‚schreckliche Verschwendung’, auch die Chancen, Israels Zukunft im Einklang mit jüdischen und demokratischen Werten zu sichern, blieben so ungenutzt.

David Grossmann appellierte in Tel Aviv vor der großen Menge an den Premierminister Ehud Olmert, sich nicht von der Hamas von Verhandlungen mit den Palästinensern abhalten zu lassen: ‚Gehen Sie zu den Palästinensern! Unterbreiten Sie einen Vorschlag, den die Moderaten dort akzeptieren können’.

Nötiger als Militärschläge, bei denen auch unschuldige Palästinenser in Gaza ums Leben kämen, sei es, ihre tiefen Wunden, ihr andauerndes Leiden anzuerkennen. So wie manche Kriege keine Wahl ließen, verhalte es sich mit der Notwendigkeit, Frieden zu schließen. ‚Weil es keine andere Alternative mehr gibt!’

Rabin habe begriffen, früher als andere, ’ dass das Leben in einem permanenten Klima von Gewalt, Besatzung, Terror, Angst und Hoffnungslosigkeit auch Israel einen Preis abverlangt, der nicht zu bezahlen ist’.” (Rupert Neudeck)

Ebenso weisen wir empfehlend hin auf die Berliner Erklärung von Prof. Dr. Rolf Verleger und seine Initiative “Schalom 5767”.

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RECHT UND GERECHTIGKEIT FÜR PALÄSTINA UND ISRAEL:
Nach dem
Aufruf vom 4. November 2006 nun ein erster Erfolg:

Solaranlage in Palästina eingetroffen

Am 12.6.2009 erreichte uns die erfreuliche Nachricht von Dr. Rupert Neudeck, dass unser Aufruf zur humanitären Hilfe in Palästina vom 4.11.2006 - gemeinsam mit den Grünhelmen und den Freunden Abrahams - nach vielen Hindernissen zu einem ersten Erfolg geführt hat.

Dr. Rupert Neudeck schreibt dazu:
“WE REFUSE TO BE ENEMIES“ - Die Solaranlage der GRÜNHELME am 11. Juni 2009 auf dem Daher-Weinberg in Palästina eingetroffen

Was lange währt, sagt man, und dabei liegt ein gewisser Trost in diesen Worten. Aber manchmal dauert etwas einfach zu lange. Zumal wenn dieses zu lange dauern Ausdruck einer politisch total missratenen Situation ist. Es hat zu lange gedauert, aber seit dem 11. Juni sind die Materialien für die 5 KW-Solaranlage auf dem Berg des „Tent of Nations“ des Daoud Nassar leibhaftig und physisch angekommen. Ein Lob an alle Beteiligten.

 


Es hat zu lange gedauert. Wenn man allerdings weiß, was jetzt möglich ist für Daoud Nassar, möchte man diese Kritik israelischer Verhältnisse und Isolationen lieber sein lassen.

Als wir uns im November 2006 im Christlichen Bildungswerk DIE HEGGE zu der Tradition einer Palästina-Tagung entschlossen, da vereinbarten wir – die Grünhelme, die Freunde Abrahams und die Hegge – einen Gaza-Appell zur humanitären Hilfe in Palästina. Wir wollten diese abgeschlossene und isolierte Bevölkerung gern humanitär begleiten. Ich sprach mich mit dem israelischen Menschenrechtskämpfer Reuven Moskovic ab, mit dem zusammen ich eine Reise durch die Stätten von Neve Shalom, durch Nazareth und Haifa und die Schule Thalita Kumi in Beit Jala und am Ende auch auf den Daher-Weinberg machte. Dort traf ich zum ersten Mal die Familie von Daoud Nasser und ihn selbst. Wir erlebten eine vorbildliche Begegnungsstätte für junge Menschen und Friedensaktivisten, die hier einfach und mit ganz wenig Geld sich ausruhen, sich erholen, Fußball spielen, aber auch Theater spielen, Engagements vorbereiten und Exkursionen durchziehen.

Das „Tent of Nations“ ist wirklich eine Ansammlung von Tents, von Zelten. Der junge Daoud Nassar macht alles richtig, er hat nicht das Gefühl, dass eine Seite ganz Recht, die andere nur Unrecht hat. Aber gerade diese Haltung hat ihn animiert, den Daher-Weinberg für seine Arbeit zu bestimmen. Der Berg ist von jüdischen Siedlungen umgeben, die alles an modernem Handel und Luxus haben, Strom satt, Supermärkte und Wasser im Überfluss. Das alles hat der Daher-Weinberg nicht und bekommt es auch nicht von den Siedlern, die im Gegenzug die einzige Autozufahrt mit einem dicken Steinbrocken blockiert haben. Man kann den Berg am Ende nur zu Fuß besteigen. Er bekommt auch nicht die Genehmigung, irgendetwas dort neben den Zelten zu bauen. Die Anlage eines Vordaches an dem einzigen Steinhaus, das da schon steht, wie auch die Einrichtung eines Hühner- und Ziegenstalles haben ihm drei Klagen der israelischen Justiz eingebracht für die Übertretung des Gesetzes.

Dennoch hat sich Daoud Nassar nie unterkriegen lassen. Als ich ihn zum ersten Mal erlebte, erlebte ich jemanden, der alles richtig macht, der nie einen falschen Ton, nie einen Zentimeter von der eigenen Friedensbereitschaft runtergeht. Er ist der geborene Chef dieses Begegnungs- und Friedensberges.
Als ich zum dritten Mal da war, fiel mir das kleine Emailleschild in die Augen, das am eisernen Tor angeheftet ist und auf dem in ungelenken Buchstaben eingraviert das Motto des gesamten Begegnungsplatzes steht:
“WE REFUSE TO BE ENEMIES!“
Wir wollten nun nicht lange lamentieren, sondern etwas tun. Wir kauften die Anlage in Deutschland, suchten lange nach einer Firma in Israel, die das Solarmaterial einführt und dann weitertransferiert auf den Daher-Weinberg.

Das alles hat weit über zwei Jahre gedauert. Es mussten zwischendurch noch Garantien geschrieben werden von der israelischen Firma, dass man aus diesem Solarmaterial nicht Bomben zusammenbasteln kann.

 

Wir freuen uns mit all denen, die den Glauben an diese humanitäre Arbeit unter den widrigsten Bedingungen für ein Volk im Dunkeln nie aufgegeben haben. Wir danken unseren Spendern.

Ich habe in einem Brief die Bundeskanzlerin davon unterrichtet, dass die Grünhelme eine Solaranlage dort auf dem Daoud-Weinberg für palästinensische, deutsche, hoffentlich künftig auch wieder israelische Jugendliche installieren, die den Abend der Begegnungen auf dem Berg kurzweiliger und produktiver machen wird. Der zuständige Außen- und sicherheitspolitische Berater der Kanzlerin, Dr. Christoph Heusgen, schrieb uns (14. April 2009) im Auftrag der Bundeskanzlerin:

„Vielen Dank für Ihr Schreiben an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, in dem Sie über das Projekt ‚Tent of Nations’ berichten. Die Bundeskanzlerin hat mich gebeten, Ihnen zu antworten. Das Projekt ist beeindruckend und zeigt einmal mehr, wie wichtig zivilgesellschaftliches Engagement in Krisenregionen und dessen breite Unterstützung ist. Wie Sie wissen, liegen der Bundeskanzlerin die Fortschritte des Nahost-Friedensprozesses und insbesondere auch bei der Verbesserung der Lebensumstände der Palästinenser vor Ort besonders am Herzen.“

Wir freuen uns mit unserem Freund Daoud Nassar und allen, die gegenwärtig als deutsche Zivildienstleistende auf dem Berg Dienst tun. Wir haben die Hoffnung, dass es uns und den Veranstaltern mit dem Licht der Sonne auf dem Berg gelingen wird, Jugendliche, auch Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Ländern, dort zu Theater und Friedensfesten zusammenzubringen. 2005 wurde Shakespeares „Romeo und Julia“ auf dem kleinen Berg-Amphitheater aufgeführt. In Ruanda haben wir mit der Spezialistin und Theater-Bühnenbildnerin Andrea Kaempf oft darüber gesprochen, wir müssten dort auf dem Berg einmal von Max Frisch: „Herr Biedermann und die Brandstifter“ inszenieren.

 

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